Unterscheidungsvermögen: Über das Navigieren durch spirituelle Minenfelder

So beschloß ich, einige Tipps mit Informationen zu diesem Thema zusammenzustellen, die ich entlang meiner spirituellen Reise gefunden habe. Ich teile sie hier mit, in der Hoffnung anderen dabei helfen zu können, sich auf ihrem Weg sicher durch das ‘spirituelle Minenfeld’ bewegen zu können.

Natürlich gibt es viele großartige Lehrer und Lehren draußen … aber sie zu finden ist eine Frage des Unterscheidungsvermögens.

Unterscheidungsvermögen 1

‚Fürsprecher des Lichts’

Dies sind Vertreter, die die Fokussierung auf Licht und Liebe propagieren. Ihre Worte der Liebe klingen wahr und geben uns ein Gefühl der Wärme und Unbestimmtheit. Ihre Botschaften sind voller Hoffnung und Positivität. Sie fördern beim Suchenden das Bestreben, Licht und Liebe zu werden und auch die Ablehnung von Negativität. Diese Lehren verbreiten jedoch eine kastrierte Version der Spiritualität. Ihre Übungen vermitteln dem Suchenden ein Wohlgefühl und das Gefühl an etwas Tiefgründigem teilzuhaben ohne aber eine wahre, tiefe Transformation herbeizuführen.

Das Problem dabei ist, daß obwohl diese Lehrer vieles sagen was zutrifft, sie doch die Hälfte des Bildes ausblenden. Balance ist entscheidend für eine gesunde geistige Entwicklung. Es ist zwar toll, die schönen und hellen Aspekte des Seins zu feiern, aber es ist auch wichtig die dunklen Aspekte von sich selbst zu erforschen und zu integrieren. Wenn die Dunkelheit ignoriert oder abgestoßen wird, dann bleiben diese Aspekte ungelöst und belasten uns weiterhin auf einer unbewußten Ebene. Nur durch die Integration der eigenen Dunkelheit können wir wahrhaft verwirklichte Wesen werden, die Widerspiegelungen des Ganzen sind.

 

‚Du bist etwas Besonderes’

Es besteht kein Zweifel, daß wir alle sehr speziell sind, jeder Mensch auf seine individuelle, einzigartige Weise, und dies sich bewußt zu machen bei all den vielen negativen Programmierungen in unserer Welt ist ein wesentlicher Schritt auf unserem Weg. Allerdings gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie dieses Bewußtsein sich entwickeln kann. Wenn Informationen so geartet sind, daß die Betonung unserer individuellen Besonderheit unser Ego nährt, dann kann es problematisch sein. Einige der uns offerierten Lehren geben den Suchenden das Gefühl einem besonderen, spirituellen Elite-Club anzugehören: „Ihr seid die Mutigen, die Tapferen, die Speziellen …“. Diese Informationen sprechen den verwundeten, mißverstanden Aspekt der Persönlichkeit an. Wenn sich dieser Aspekt ‘gesehen’ und gefeiert fühlt, dann wird er etwas aufgeblasen … und es fühlt sich gut an.

Statt sich als ein seltsamer Außenseiter zu fühlen, beginnen wir uns als Auserwählte zu sehen; wir nehmen uns nicht mehr als seltsam wahr, sondern als außergewöhnlich. Dieses ‘Aufblähen’ ist jedoch nicht wirkliches Wachstum. Solche Informationen könnten dazu angetan sein, daß indem wir uns vom Gefühl der Minderwertigkeit distanzieren wir sofort in ein Gefühl der Überlegenheit wechseln, also uns nur auf die andere Seite derselben Medaille begeben.

Wahre Heilung und Demut tritt dann auf, wenn beide Seiten anerkannt und integriert werden. Durch die Zustimmung sowohl zu unseren Stärken als auch unseren Schwächen können wir von einer soliden Basis der Integrität und Authentizität aus tätig sein.

 

‚Der arrogante Lehrer’

Dies ist eine Person, die beim Suchenden das Gefühl entstehen läßt, daß spirituelle Weisheit nur für die Wenigen erreichbar sei, welche die Fähigkeit haben jene Konzepte zu erfassen, die von der entsprechenden Führer-Person unterstützt werden. Die Spiritualität, die sie fördern ist verworren und hat einen elitären Geschmack. Diese Menschen sind Meister darin, ihre Position zu verteidigen – nicht, weil sie Recht haben, sondern weil sie die Kunst beherrschen, Informationen so zu manipulieren, daß sie ihrem eigenen Vorteil dienen. Oft verwenden diese Art von Lehrer ihr Wissen dazu, um über ihren Anhängern zu stehen, indem sie versuchen in ihnen ein Gefühl der Unzulänglichkeit zu erzeugen. Wenn wir uns mit unserem eigenen Wertgefühl herumschlagen sind wir möglicherweise geneigt zu glauben, daß diese Lehrer das Geheimnis kennen, das wir brauchen, und daß eine strikte Einhaltung ihrer Lehren uns dieses schließlich offenbaren wird.

In Wirklichkeit ist Spiritualität ganz einfach und für jedermann zugänglich: die Antworten liegen in uns allen. Ein wichtiger Aspekt der spirituellen Reise ist der Prozeß zu erkennen, wo und an wen wir unsere Macht weggegeben haben und wie wir unsere eigene Autorität zurückgewinnen können. Eine der grundlegenden Eigenschaften eines spirituell fortgeschrittenen Menschen besteht darin, die Fähigkeit für Empathie und Mitgefühl hoch entwickelt zu haben. Dies bedeutet nicht, daß sie in eine ‘Opfer-Rolle’ schlüpfen müssen oder versuchen müssen jedermann zu retten. Vielmehr erkennen sie, daß jeder Mensch göttlich und in der Lage ist, seinen eigenen Weg zu finden, daß sie aber auch die Schwierigkeiten der Reise verstehen und ihre Herzen durch die Notlage anderer berühren lassen. Je mehr entwickelt sie sind, desto mehr spüren sie ihre tiefe Verbindung zu jedem und allem.

 

‚Der Held’

Das ist jemand, der sich als perfekt und unfehlbar präsentiert. Diese Menschen neigen dazu, einen starken Fokus auf Eigenwerbung zu legen und genießen das Rampenlicht. Sie lieben es, ihre erstaunlichen Qualitäten und Fähigkeiten zu präsentieren. Wenn diese Menschen Fehler machen, dann sind es nicht die ihrigen; sie versuchen, die Schuld abzuschieben, oder geben ‘Geschichten’ von sich, um den Fehler ‚weg zu erklären’.Unterscheidungsvermögen 2

Im Allgemeinen lohnt es sich nicht, diesen Leuten zuzuhören, denn sie sprechen und handeln aus einer Ego-Perspektive heraus. Das Ego liebt es auf einem Sockel zu stehen, im Zentrum der Aufmerksamkeit und haßt es, wenn Schwächen ans Tageslicht kommen. Das Problem ist, daß die Informationen, die von solchen Personen kommen in der Regel in einer Weise präsentiert werden, daß die Wahrheit in den Hintergrund rückt zugunsten einer Förderung und Aufrechterhaltung einer Helden-Rolle der Person.

Unsere Gesellschaft lehrt uns, unsere Verwundbarkeit zu verbergen. Aber die Fähigkeit sich verwundbar zu zeigen ist eine der schwierigsten und wichtigsten Eigenschaften, die ein Suchender entwickeln muß. Fähig zu sein sich verletzlich zu zeigen ist ein entscheidender Schlüssel zum Authentisch sein. Wenn man sich nicht verletzbar zeigen kann, dort wo es notwendig ist, dann kann es nötig werden, daß man die Wahrheit manipuliert, um zu verhindern, daß sich irgendwelche Risse zeigen. Wer sich nicht verwundbar zeigen kann, der kann nicht die ganze Zeit über integer und authentisch bleiben.

 

‚Die messianische Guru’

Dies ist einer der gefährlichsten Lehrer und ist vermutlich weiter verbreitet, als man vermuten könnte. Auf dem Weg der spirituellen Entwicklung gibt es einen Punkt, wo der Suchende sich seiner Gottgefälligkeit und der Tatsache, daß das ganze Universum sich um ihn herum dreht, bewußt wird. Wenn er diese tiefe Wahrheit ganzheitlich integriert, versteht der Sucher, daß alles nur ein Frage der Perspektive ist, und freut sich über die tiefe Schönheit und Magie der Tatsache, daß wir alle Ausdrücke des Göttlichen sind und somit auch die Fähigkeit haben jenen tiefinneren Punkt zu berühren, wo wir uns alle treffen. Wir sind buchstäblich jeweils das Zentrum des Universums, gesehen aus unserer eigenen, einzigartigen Perspektive heraus.Unterscheidungsvermögen 3

Der messianische Guru hat seine/ihre Göttlichkeit erkannt, es aber noch nicht aus einer Perspektive, die das ganze Bild zeigt. Diese Person glaubt, daß sie “Eins” ist und daß sie eine “besondere” Beziehung zu Gott / zum Universum habe. Manchmal kommt dies auf eklatante Weise in deren Lehren zum Ausdruck, in anderen Fällen kann es viel diskreter sein. Selbst wenn eine solche Person den eigenen Glauben für sich behält gibt es jedoch in der Regel genügend Hinweise, die von einem unterscheidungsfähigen Beobachter erkannt werden können.

Weil sich in der unterschwelligen Agenda die verzerrten Überzeugungen der “Lehrer” oft nur subtil zeigen, besteht die Gefahr, daß der Suchende nur wenig Unterstützung bei der Entdeckung der eigenen Göttlichkeit erhält.

Sprecher mit der Botschaft “Sie kommen bald, um uns zu retten …”

Das ist jemand, der behauptet ” im Namen von … zu sprechen” oder Kanal zu sein für ein “höheres Wesen”, das kommen wird, um uns zu retten. Ich habe viel hervorragendes Material in Channelings gefunden, von denen behauptet wird, daß sie von nicht-menschlichen Entitäten kommen. Aber es gibt auch einen Berg von zwielichtigen Material. Ein gemUnterscheidungsvermögen 4einsames Merkmal der zwielichtigen Informationen ist, daß sie die Opfer-Mentalität ansprechen. “Du armes Wesen, dein Leben ist so schwer gewesen; es gibt so schreckliche Wesen, die so mächtig sind, daß du keine Chance auf ein Entkommen aus ihrer Umklammerung hast … aber keine Sorge, denn wir kommen, um dich zu retten … bald. Sehr bald werden wir uns zu dir nach unten bücken und alles in Ordnung bringen, so daß du bald in einem neuen Paradies leben wirst. Lese weiterhin unsere Botschaften … glaube uns weiterhin und vertraue in UNS, wir versichern dir Erlösung «gleich um die Ecke».” 

Diese Art von Material ist gefährlich, weil es den Suchenden in gewisser Weise mit einer falschen Hoffnung umgibt und nichts tut, um dessen Selbsterforschung und inneres Wachstum zu fördern. Es unterstützt ein Gefühl der Hilflosigkeit des Suchers, unterstützt die Opfermentalität und verleitet den Suchenden dazu, seine Macht an eine externe Kraft zu übergeben. Die Fokussierung auf ein ‚Bald’ hat zur Folge, daß der Suchende sich auf die Zukunft konzentriert und nicht auf das Jetzt, wo unsere wahre Stärke liegt.

‚Die Vertreter von Trübsal und Düsternis’

Dies sind Lehrer, die die Junkies ‚der inneren Heftigkeit’ ansprechen. Diese Jungs sind jene, welche die ganze Zeit über im Netz eine düstere Vorhersage nach der anderen ausrufen. Diese Art von Informationen wird oft angstbeladen (’fear-porn’) genannt, weil es ein bißchen so ist, wie einen Horror-Film ansehen. Es ist gefährlich und spannend, kann süchtig machen, und am wichtigsten, es ist angsteinflößend. Zuviel Eintauchen in diese Informationen kann uns zum ‚Rennen um die Hügel’ bewegen (was an sich nicht schlecht zu sein braucht), kann bewirken, daß wir eine Kampfkunst lernen wollen (was auch keine schlechte Sache zu sein braucht) und kann uns unsere Nachbarn mißtrauisch betrachten lassen (was wohl keine gute Sache ist).

Unterscheidungsvermögen 5Angst ist der große Hemmer einer spirituellen Entwicklung. Je mehr Furcht wir haben, desto mehr verschließen wir uns dem Wachstum und dem Wandel. Wenn wir uns zu sehr auf die angstvollen Aspekte des Lebens konzentrieren, werden wir angespannt und unausgeglichen und könnten vergessen, die wunderschönen, magischen Bereiche unseres Lebens zu nähren. Je mehr Energie wir der Angst zugestehen, je größer ihre Präsenz in unserer Realität wird, umso mehr schrumpft die Schönheit in unserem Leben. Der Suchende kann mit einem überwältigenden Gefühl der Desillusion und Hoffnungslosigkeit zurückgelassen werden. Einer der Gründe, warum dieser Weg so lähmend ist besteht darin, daß es viele angstauslösende Situationen gibt, die außerhalb unseres Einflußbereichs liegen, daß es wenig gibt, was wir tun können, um die Umstände zu ändern, die auf der globalen Bühne erscheinen.

Wenn wir lernen, die Realität anzuerkennen, die in unserer Mitte abläuft, und dabei die bewußte Entscheidung treffen, unseren Fokus weg von der Angst auf das zu legen, was wir positiv beeinflussen können, dann ermöglichen wir echte Transformation, die der Gesamtheit zugute kommt. Während die Größe des Einflußbereichs der einzelnen Menschen variiert, haben wir doch alle Zugang zu einem der stärksten Hebelpunkte des Wandels – zu uns selbst. Weil wir alle verbunden sind, hat eine Heilung von uns selbst einen starken Einfluss auf das kollektive Unbewusste, und je mehr Licht wir in diese lange vernachlässigte Arena bringen, umso mehr Licht werden wir in unserer äußeren Realität reflektiert sehen.

Über uns selbst haben wir alle die Möglichkeit, unsere Umgebung positiv zu beeinflussen. Sei es eine Pflanze, unsere Familie oder unsere Gemeinschaft, es gibt viel um uns herum, das wir mit Liebe nähren können und mit unseren eigenen, einzigartigen Begabungen beeinflussen können.

 

‚Mein Weg ist eine Schnellstraße’

Dies sind die Lehrer, die glauben, daß sie “den wahren Weg” gefunden haben, oder er ihnen gezeigt worden ist. Diese Lehrer versuchen den Suchenden zu überzeugen, daß sie, und sie allein, den Schlüssel zu deren Rettung in den Händen hielten. Die Lehren dieser Menschen enthalten oft viele Wertungen, denn wenn ihr Weg der richtige Weg ist, dann müssen alle anderen falsch sein.

Um einem solchen Lehrer zu folgen wird der Suchende oft genötigt, etwas zu opfern. Die erste Sache ist in der Regel etwas Geld für ein Buch oder einen Workshop, in dem ein ’Teil’ des Geheimnisses des ’wahren Wegs’ offenbart wird. Das Zweite und Beunruhigende, das der Suchende opfern muß, ist die Kraft der eigenen Richtungswahl.

In der Regel ist es der verwundete Aspekt eines Suchenden, der von dieser Art von Lehrer angezogen wird. Es ist der Aspekt des nicht-genügend-Vertrauen-haben in die eigene Fähigkeit, den ’eigenen’ Weg zu finden. Aber dies ist einer der wichtigsten Aspekte der spirituellen Reise: unsere eigene Einzigartigkeit zu entdecken und zu feiern und anderen zu erlauben, dasselbe zu tun.

Je weiter der Suchende auf dem Weg voranschreitet, desto mehr ist er in der Lage, die falschen, sozial konstruierten Aspekte seiner Persönlichkeit abzuschütteln und in Verbindung zu treten mit seinem wahren, einzigartigen Inneren Selbst.

Es gibt kein Richtig oder Falsch auf dem spirituellen Weg. Verschiedene Menschen lernen verschiedene Dinge zu unterschiedlichen Zeiten auf unterschiedliche Weise. Was für eine Person gut funktioniert, zeigt möglicherweise bei einer anderen Person keine Wirkung.

 

Die Kernpunkte zur Erinnerung:

  • Alles, was von uns verlangt, daß wir ein bestimmtes Buch lesen müssen, eine bestimmte Musik hören müssen oder eine bestimmte Philosophie unterschreiben müssen sollte wahrscheinlich verworfen werden. Natürlich gibt es tolle Sachen ‘da draußen’ die uns auf unserem Weg helfen … aber auch wenn uns gewissen Dinge helfen können, so gibt es doch kein ‘müssen’ auf dem spirituellen Pfad.
  • Alles, was uns sagt, daß die Antwort außerhalb unseres Selbst ist, muß bei uns eine riesige, rote Fahne hochgehen lassen!
  • Alles, was in uns ein starkes Gefühl der Verzweiflung zurücklässt, sollte wahrscheinlich am besten vermieden werden.
  • Alles, was in uns einfach ein gutes Gefühl erzeugt, ohne uns zu einer vertiefenden Arbeit zu ermutigen, ist wahrscheinlich eine Verschwendung von Zeit.
  • Alles, was die Vergötterung eines Führers fördert, ist potentiell gefährlich für die Entwicklung.

Lasst uns auf unsere Herzen hören.

Artikel gefunden unter http://transinformation.net/unterscheidungsvermoegen-ueber-das-navigieren-durch-spirituelle-minenfelder/

Weiterführende Links:
http://removetheveil.net/2015/03/02/wes-penre-channeling-oneness-harvest-social-memory-complexes
https://losloesung.wordpress.com/2015/06/23/leben-oder-gelebt-werden-ist-wirklich-alles-in-unserem-leben-vorherbestimmt/

Leben oder gelebt werden? – Ist wirklich alles in unserem Leben vorherbestimmt?

Puppet on Strings

von

„Wer glaubt, seine Entscheidungen selber zu treffen unterliegt nur der Täuschung, seine Entscheidung sei durch seinen freien Willen zustande gekommen.“
Gerhard Roth

„Das Maß unserer Bewußtheit entscheidet darüber, ob wir tatsächlich von unserem freien Willen Gebrauch machen oder nicht.“

und

„Die Intensität unseres Willens bestimmt über Frei- oder Unfreiheit.“
Dieter Broers

Liebe Freunde,

gerne möchte ich meinen letzten Artikel „Ideen – der „Stoff“ aus dem Universen entstehen – Warum unsere Überzeugungen unsere Wirklichkeit gestalten“ weiter vertiefen. Nach wie vor halte ich eine gründliche Aufklärung über unser naturgemäßes Potenzial für die wirkungsvollste Grundlage für dem „Weg nach Eden“. Wie in meinem Buch „Der verratene Himmel – Rückkehr nach Eden“ hergeleitet bezeichne ich „Eden“ nicht vordergründig als einen Ort im himmlischen Paradies, sondern vor allem als unseren un-manipulierten Seinszustand. Angeregt von einem Kommentar von Lutz Kießling („…beschäftige dich mal mit den Palmblattbiblioteken in Indien….“) vom 13. Mai möchte ich dieses Thema etwas mehr als ursprünglich geplant vertiefen (Danke, lieber Lutz Kießling, Du hast mir durch Deinen Kommentar weiter Erkenntnisse zum Thema „freier und unfreier Wille“ ermöglicht.
Wie bereits Platon sehe ich diese Welt als eine „Schattenwelt“ (in Anlehnung an das Höhlengleichnis von Platon). Unsere vordergründig wahrgenommene Welt überlagert eine andere Welt – der Einfachheit halber nenne ich sie Primärwelt. Dieser Primärwelt ist eine künstliche Matrix aufgeprägt. Diese Matrix kann man als eine Scheinwelt bezeichnen, ein Programm der universalen Manipulation und/oder den Strukturschlüssel, andere nennen sie die Blaupause, den Schöpfungsplan oder die Matrize.

Ein Simulationsprogramm erzeugt die Illusion von Freiheit und Selbstbestimmung

Für mich ist die Matrix eine Art Simulationsprogramm. Dieses Programm sieht vor, uns in einer Illusion von Freiheit und Selbstbestimmung zu halten. Für die meisten Menschen unbemerkt übernimmt dieses Programm unser Schicksal. In dieser Programmwelt ist alles determiniert – also vorherbestimmt. Deswegen funktionieren zukunftsschauende Medien wie die Palmblattbibliothek, Astrologie, Tzolkin, der Bibel-Code usw. Auch einige „begnadete“ Menschen sind in der Lage, die geplante Zukunft vorauszusehen. Wo sich diese „Vorausschauungen“ als zutreffend erweisen, kann es nur einen Schluß geben: Unsere Welt ist determiniert und vorherbestimmt durch ein Programm („Matrix“).
Zunehmend mehr Menschen durchschauen dieses manipulative Spiel. Erkennen eine Welt hinter der Matrix. Um es bereits vorweg zu nehmen:
Unsere Welt ist nur zu dem Anteil determiniert wie wir es zulassen, unsere Unbewußtheit zu leben. Prophezeiungen (Determinierungen) treten nur ein, solange wir unbewußt (noch nicht erwacht) sind.
Liebe Freunde, die nun folgenden Zeilen mögen Euch beim Lesen mehr oder weniger großes Unbehagen bereiten. Und doch halte ich die Aufklärung über das Ausmaß unserer Bewußt-, bzw. Unbewußtheit für außerordentlich wichtig. Zumal ich schon jetzt darauf hinweisen möchte, daß die Intensität unseres Willens darüber entscheidet, ob wir in den Netzen der Matrix verwoben bleiben oder nicht. Doch der Reihe nach. Beginnen möchte ich mit den Forschungsergebnissen zum Thema „freier Wille“:Leben in einer determinierten Welt – ohne freien Willen? Wie sehr viele seiner Kollegen ist der Hirnforscher Prof. Dr. Gerhard Roth[i] davon überzeugt, „daß wir von der Vorstellung, daß es einen freien Willen im traditionellen Sinne gibt, endgültig Abschied nehmen müssen. Zwar bestreitet niemand von den Forschern, daß der Mensch Handlungen planen und Alternativen abwägen könne. Ob, wie und wann wir dann aber schließlich handeln, bestimmen zum Großteil unbewußte Vorgänge im Gehirn. Und es zeigt sich, daß dieses Unbewußte eine viel größere Rolle spielt als bisher angenommen.”[ii].So unglaublich uns diese Aussagen auch erscheinen mögen, so wahr scheinen sie doch zu sein. Als 1979 der international renommierte Hirnforscher Benjamin Libet erstmals in seinen Versuchsreihen die Fremdbestimmung unseres „freien“ Willens feststellte, glaubte man noch an Fehlversuche. Das Libet-Experiment beschreibt die Messungen im zeitlichen Abstand zwischen Nervenaktivität im Gehirn, die einer bestimmten Handbewegung einleitend vorausgeht, und dem erst danach erfolgenden Bewußtwerden der dazu gehörenden Handlungsentscheidung liegt. Bereits bevor die Entscheidung zur Ausführung einer bestimmten Bewegung ins Bewußtsein dringt, wird diese im Gehirn (im motorischen Kortex) vorbereitet. Benjamin Libet schlußfolgerte, die Handlungen eines Menschen seien nicht auf seinen Willen zurückführbar. Das klassische Libet-Experiment beschreibt die Messung des zeitlichen Abstands, der zwischen Nervenaktivität im Gehirn, die einer bestimmten Handbewegung einleitend vorausgeht, und dem erst danach erfolgenden Bewußtwerden der dazu gehörenden Handlungsentscheidung liegt. Um dieses sensationelle Forschungsergebnis besser interpretieren zu können möchte ich kurz das Standardexperiment von Benjamin Libet darstellen:

Das Experiment von Libet zur Bestimmung des Zeitpunktes der Handlungseinleitung

Um den Moment der Handlungsentscheidung zu bestimmen, benutzte Benjamin Libet eine Art Uhr. Der Proband sollte sich zum Zeitpunkt seiner Entscheidung die Position des Zeigers auf dieser Uhr merken. Durch diese Versuchsanordnung konnte Libet den Zeitpunkt der bewußten Wahrnehmung des Probanden auf etwa 50 Millisekunden exakt bestimmen. Gleichzeitig wurden die Hirnströme und Muskelbewegungen des Probanden gemessen, so daß nicht nur der genaue Zeitpunkt einer sogenannten motorischen Aktion bestimmt werden könnte, sondern auch die Intensität des Bereitschaftspotentials – mit dem die Vorbereitung einer Bewegung im motorischen Cortex des Gehirns gemessen werden kann. Die Aufgabe des Probanden war es, einfach seine Hand zu heben, entweder spontan oder nach einem subjektiven Zeitplan. Im Grunde eine sehr einfache, freie Entscheidung. Das sensationelle Ergebnis: Unter allen Bedingungen zeigte sich, daß das Gehirn die Bewegung der Hand bereits zu einem Zeitpunkt vorbereitete, zu dem der Proband selbst noch gar nicht die Absicht gehabt hatte, die Bewegung tatsächlich auszuführen. Bis zu einer Sekunde vor der tatsächlichen Entscheidung signalisierte die Aktivität der entsprechenden Neuronen (des motorischen Cortex) bereits die erst später folgende Handlungsabsicht. Diese Versuche sind zwischenzeitlich ganz erheblich erweitert worden. Hierauf werde ich im weiteren Verlauf meines Artikels noch eingehen.Das Bereitschaftspotential ist Ausdruck einer neuronalen Aktivität, die eine entsprechende Handlung einleitet (bestimmt). Das Bereitschaftspotential setzte im Mittel etwa 550 Millisekunden vor der Ausführung der Bewegung ein – der Willensakt wurde jedoch (im Mittel) erst 200 Millisekunden vor der Ausführung der Bewegung bewußt und damit etwa 350 Millisekunden nach dem Auftreten des Bereitschaftspotentials.

libet

* Das Bereitschaftspotential ist ein elektrophysiologisch meßbares Ereignis, das im Vorfeld willkürlicher Bewegungen in bestimmten Arealen der Großhirnrinde auftritt und in der Hirnforschung als Ausdruck von Aktivierungs- und Vorbereitungsprozessen interpretiert wird. (Ausführliche Informationen unter:http://www.spektrum.de/lexikon/neurowissenschaft/bereitschaftspotential/1383)

Die Experimente von Benjamin Libet zählen schon seit längerer Zeit zu den in der Hirnforschung am häufigsten diskutierten empirischen Untersuchungen. Sie wurden zwischenzeitlich mehrfach wiederholt und verbessert. Die neuesten Ergebnisse scheinen die Studien von Professor Libet immer weiter zu bestätigen. Zu diesen neueren Arbeiten zählt eine Studie, die in dem Journal Spektrum.de veröffentlicht wurde. Mit der Überschrift „Hirngespinst Willensfreiheit“ berichteten Carolin Sprenger und Jeanne Gevorkian[iii]: „Bis vor kurzem konnten die Zweifel an der Willensfreiheit nicht wirklich zerstreut werden. Ein Team von Wissenschaftlern lieferte kürzlich mit neuesten Erkenntnissen auf dem Gebiet der Entscheidungsfindung den Befürwortern des Determinismus neuen Nährboden. Unter der Leitung des Psychologen und Gehirnforscher Professor John-Dylan Haynes, der am „Berliner Bernstein Center for Computational Neuroscience“ forscht, wurden nun neueste Erkenntnisse in dem Bereich der Entscheidungsfindung gefunden. Diese Forschungsergebnisse werden sicherlich den Befürwortern des Determinismus neuen Nährboden liefern.“

Die Ergebnisse zeigen deutlich, daß bereits etwa sieben bis acht Sekunden vor einer Entscheidung eine entsprechende Hirnaktivität gemessen wurde! Dabei weist die als Meßinstrument dienende Kernspintomografie sogar noch eine drei- bis viersekündige Verzögerung auf. Was bedeutet, es vergehen faktisch mindestens zehn Sekunden, bevor die Information zu einer Entscheidung im Gehirn präsent ist. Der Kommentar des Projektleiters John-Dylan Haynes, Professor am Berliner Bernstein Center for Computational Neuroscience: „Libet ermittelte einen Zeitraum von einigen hundert Millisekunden, der zwischen neuronal beobachtbarer Vorbereitung im motorischen Kortex und bewußter Wahrnehmung der Entscheidungsfindung liegt. Ein Zeitraum von sieben oder sogar zehn Sekunden erscheint dagegen immens.“
Die Medien reagierten auf diese Nachricht. ZEIT ONLINE berichetet am 17. April 2008; unter der Überschrift „Der unbewußte Wille“ konnte man im Artikel lesen: „Deutsche Hirnforscher geben der Debatte um den freien Willen neue Nahrung. Schon zehn Sekunden vor einer bewußten Entscheidung wird das Gehirn aktiv.“[iv]
Damit Ihr Euch, meine lieben Freunde, einen besseren Überblick über dieses Thema machen könnt empfehle ich eine kurze Zusammenfassung von ZDFdoku: Der freie Wille als Märchen des Gehirns: https://www.youtube.com/watch?v=rOsWsW1XmoI#t=68

Die Bedeutung der Experimente von Libet für das Selbstverständnis des Menschen

Liebe Freunde, mir ist vollkommen klar welches Unbehagen diese Zeilen in Euch ausgelöst haben mögen. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, als ich zum ersten Mal von diesen Forschungen erfuhr. Vor über fünfundzwanzig Jahren – so lange ist das bei mir etwa her – rebellierte ich innerlich gegen die Schlussfolgerungen dieser Forschungsergebnisse. Irgendetwas in mir vermittelte mir den Eindruck, daß etwas Entscheidendes bei diesen Versuchen nicht stimmt. Ich hatte damals schon den Eindruck, daß noch eine andere Instanz in uns existiert, die außerhalb des Willens lag, der bei diesen Versuchsreihen bewertet wurde. Meine Intuition sagte mir, daß in jedem von uns noch eine andere Identität existieren muß. Ein Art „Wesenskern“, der sich ganz erheblich von der Identität unterscheidet, die ich mit meinem „Ich“ gleichsetze. Wie ich später herausfand lag ich mit meiner Ahnung absolut richtig. In diesem Artikel geht es mir um die Bedeutung des anderen Willens. So unsinnig sich das zunächst einmal anhören mag, so sehr halte ich doch die Existenz einer „anderen Instanz“ für absolut zutreffend. <b>Ich unterscheide dabei zwischen unserem „göttlichen“ und unserem „künstlichen“ Selbst.</b> Meine Herleitungen hierüber habe ich Euch in meinem Buch „Der verratene Himmel – Rückkehr nach Eden“ dargelegt. In diesem Sinne möchte ich mit meiner Beschreibung über diese beiden Formen unseres Selbst fortfahren.

Grundsätzlich möchte ich jetzt der Frage nachgehen: Sind wir tatsächlich vollständig determiniert? „Der sogenannte freie Wille ist letztlich immer der „verstandene Wille“, jener, der zu unserem Selbstbild und in das Profil unserer Wünsche passe.“ bemerkte hierzu Pascal Mercier. Anhand seiner neuesten Ergebnisse zum Thema des freien Willens äußerte sich der Forschungsleiter John-Dylan Haynes vom Berliner Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience: „Alle unsere Handlungen sind die Überlagerung von tausenden von kleinen Ursachen – Erfahrungen in Kindheit und Beruf, unsere Kultur, die Menschen, mit denen wir uns umgeben, die Medien, die wir zurate ziehen, und so weiter.“ Und weiter: Ich habe kein Problem damit, die unbewußten Prozesse meines Gehirns zu akzeptieren. Ich freue mich über die Hilfe, die mir die unbewußten Verarbeitungsprozesse meines Gehirns leisten, indem sie mir eine ganze Menge von Alltagsentscheidungen und Prozessen abnehmen, ohne daß ich groß darüber nachdenken muß. Ich möchte mich an dieser Stelle bei den unbewußten Verarbeitungsprozessen in meinem Gehirn bedanken!“ (Die fett markierten Wörter sind von mir hervorgehoben worden um die Aufmerksamkeit auf die Frage zu lenken, um welche Instanz es sich hierbei handelt).

Die Rolle der Intensität des Willens und der Aufmerksamkeit

Diesem Dank von Professor John-Dylan Haynes möchte ich mich aus vollem Herzen anschließen. Ohne die Hilfe dieser Instanz (die meine Entscheidungen für mich trifft) wären wir in dieser Welt wohl lebensunfähig. Ich stelle mir gerade die Frage, welche Instanz von mir sich für diese lebenswichtigen Leistungen bedankt. Bedankt sich mein Verstandes-Selbst für sich selber? Oder mein göttliches Selbst? Oder gar beide Selbste? Natürlich erscheinen diese Fragen als vollkommener Unsinn. Jedoch nur wenn sie vom Verstandes-Selbst interpretiert werden. Wir können diese Fragen durchaus als ein Spiel mit uns(eren) Selbst(en) sehen. Dieses Spiel trägt jedoch einen erheblichen Nutzen in sich. Denn es führt ja erst zu einem Hinterfragen nach einer möglichen weiteren Instanz „in uns“.

Was wäre nun, wenn sämtliche von mir aufgeführten Versuche „nur“ die Reaktionen von dem „künstlichen“ Selbst waren? Oder, was wäre, wenn dieser Wille einfach nur zu gering war, um eine Fremdbestimmung vom Gehirn zuzulassen? Und deshalb jeweils immer das „künstliche“ Selbst entschieden hätte?

Daß die Intensität unseres Willens die Ergebnisse bestimmt, dürfte uns allen klar sein. Eine einfach so gewollte Entscheidung greift entsprechend weniger in die Realitätsänderung ein als umgekehrt. Bekanntlich ist unsere Aufmerksamkeit* ein Indikator für das Maß unserer Bewußtheit. Aufmerksam sind wir, wenn wir bewußt und Unaufmerksam wenn wir unbewußt sind. Tatsächlich ist die Stärke der Aufmerksamkeit meßbar. Je aufmerksamer wird sind, umso höher ist die Aktivität unserer Neuronen. Im Zustand des Gewahrseins ist diese neuronale Aktivität am höchsten. Am Ende dieses Artikels werde ich hierauf noch etwas genauer eingehen.

*Aufmerksamkeit ist die Zuweisung von (beschränkten) Bewußtseinsressourcen auf Bewußtseinsinhalte, beispielsweise auf Wahrnehmungen der Umwelt oder des eigenen Verhaltens und Handelns, sowie Gedanken und Gefühle. Als Maß für die Intensität und Dauer der Aufmerksamkeit gilt die Konzentration.

Erfreulicherweise wurde in einigen neueren Veröffentlichungen über die Libet`schen Forschungen auf die Aufmerksamkeit hingewiesen. Den Forschern fielen auffällige Unstimmigkeiten zum Thema der Aufmerksamkeit auf. Zunächst wunderte man sich über die unterschiedlichen Resultate. Meiner Überzeugung nach resultieren diese unterschiedlichen Ergebnisse durch die Aufmerksamkeitsabhängigkeit bei der Datierung von Reizen aus unterschiedlichen Möglichkeiten.

Bei der Interpretation der Libet-Experimente gibt es immer wieder Auffälligkeiten, die sich auf die Ergebnisse selbst beziehen. Insbesondere auf die Datierung von dem sogenannten Bereitschaftspotential und dem Willensakt. Die Probleme der Datierung werden immer deutlicher erkennbar, wenn man die neueren Nachfolgeexperimente mit analysiert. Auffällige Unterschiede gibt es bereits bei den Mittelwerten für den bewußten Willensakt aller Versuchspersonen eines Experimentes. Bei B. Libet ebenso wie bei seinen Kollegen I. Keller und H. Heckhausen liegt dieser Wert bei 200 Millisekunden vor der Handbewegung, bei P. Haggard dagegen bei 350 Millisekunden und bei J.A. Trevena und J. Miller nur 122 Millisekunden vor der Bewegung. Wesentlich größer noch sind die Differenzen zwischen den einzelnen Versuchspersonen. Bei B. Libet liegen die Schwankungen zwischen 422 und 54 Millisekunden, bei P. Haggard zwischen 984 und 4 Millisekunden vor der Handlung.

Bei H. Heckhausen finden sich sogar Werte zwischen 362 Millisekunden vor und 806 Millisekunden nach der Bewegung – 40% der Versuchspersonen gaben einen Zeitpunkt an, der nach der Ausführung der Bewegung lag (Diese Studien sind am Ende in der Literaturliste aufgeführt).

Der richtige Gebrauch des Willens

Meiner Ansicht nach hätte ein erheblicher Teil der Versuchspersonen von ihrer Vetomöglichkeit Gebrauch machen können, indem sie die Intensität ihres Willens gesteigert hätten. Der Unterschied wird meiner Ansicht nach durch die Intensität unseres Willens bestimmt. Ein starker Wille, der von einer Idee bzw. einem Wunsch geprägt ist, wird uns aus einer determinierten Welt herausheben. Umgekehrt bleiben wir in der vorherbestimmten Welt stecken und halten alle Ereignisse und Handlungen für unabänderlich.

veto

Die Intensität des Willen und der Aufmerksamkeit entscheidet über den Gebrauch des „Veto“.

Der Gebrauch des „Veto“ bedeutet, daß keine Fremdbestimmung erfolgt ist.

Solange wir einen bestimmten Grad unseres Bewußtseins nicht erreicht haben, werden wir von Fremdprogrammen bestimmt. Gleich, ob das durch die Konditionierungsmuster unseres Gehirns oder einer äußerlichen Matrix (die quasi unseren Lebensweg und Schicksal bestimmt), wir bleiben solange fremdbestimmt, bis wir ein gewisses Maß an Voll-Bewußtheit (Gewahrsein) erreicht haben.

Frühkindliche „Selbst“-Findung und der Verlust der „göttlichen“ Anbindung

Während der ersten zwei Lebensjahre eines Menschen findet eine entscheidende Verwandlung statt. Es ist die Wandlung vom „göttlichen“ zum „künstlichen“ Selbst. Unser „künstliches“ Selbst (unser Ego bzw. Ich) entspricht einer neuronalen Schaltung und wird durch sie aufrechtgehalten. Die als Neugeborenes aufsummierten Sinneserfahrungen wurden so lange einer Entität zugeordnet, bis in uns der Eindruck entsteht, daß der Name – den wir von unseren Eltern erhalten haben – die Person ist, die für den Empfang aller Erfahrungen steht. Bekanntlich erwächst sich in unserm Gehirn eine Verschaltung der Neuronen. Das besondere daran ist, daß jede Erfahrung einer entsprechenden Verschaltung entspricht. Diese Hardware fungiert im Wesentlichen als Kurzzeitspeicher und als Programm. Grundsätzlich wird jedoch eine jede Erfahrung zusätzlich in raum- und zeitlose Dimensionen abgelegt (B. Heim nennt die betr. Dimensionen x7 und x8). Naturgemäß bestimmt die Instanz unseres „göttlichen“ Selbst über diese Informationen. Die Entstehung „unseres“ künstlichen Selbst begründet sich vor allem, weil uns die Erinnerung an unser wahrhaftiges Selbst abhanden kam. Hierdurch identifizierte sich die neu geprägte Person immer weiter mit dem materiellen Körper (diese künstliche Instanz (Ego, Ich) agiert als eine ich-genaue neuronale Schaltung).

So gesehen sind die Forschungsergebnisse der Anhänger Benjamin Libets nichts weiter, als die Auswertungen der Ergebnisse unseres „künstlichen“ Selbst. Das, was in diesen Versuchen die Entscheidungen trifft, ist also das Resultat des neuronalen Schaltkreis „künstliches Selbst“.Es handelt der Wille des künstlichen Selbst. Der tatsächliche freie Wille ist nur frei, wenn er von der Instanz unseres geistigen (göttlichen) Selbst geführt wird. Das geschieht allerdings nur, indem sich das „göttliche“ Selbst sich über die Instanz seines künstlichen Double hinweggesetzt (um damit zumindest teilweise von dem künstlichen Hardware-Ich befreit ist). Die Befreiung unseres geistigen Selbst vom materiellen (und damit künstlichen) „Selbst“ (Ego, Ich) ermöglicht erst die faktische Nutzung des echten freien Willens. Benjamin Libet ging nach seinen ersten Versuchsergebnissen zu der These über, daß es ein Zeitfenster von zirka 100 ms gebe, innerhalb dessen der bewußte Wille eine bereits (vom künstlichen Selbst) eingeleitete Handlung noch verhindern könne (Veto-Funktion des Willens). In diesem Sinne könne das Bewußtsein „willensbestimmte Ergebnisse selektieren und unter ihre Kontrolle bringen“[v]

Anzahl und Frequenz der aktiven Neuronen läßt erkennen, welches Selbst am Werke ist

Gebrauch von unserem „Vetorecht“ bedeutet meiner Ansicht nach die faktische Nutzung unseres „göttlichen“ Selbst. Doch wie können wir feststellen, ob eine Handlung von unserem „künstlichen Selbst“ oder von unserem „göttlichen Selbst“ begangen wurde? Wie wir auf der unteren Tabelle sehen können, entscheidet die Anzahl und Frequenz der aktiven Neuronen, welches Selbst in Erscheinung tritt. Der unterste Bereich dieser Grafik beschreibt das Maß der Bewußtheit der Versuchspersonen von Benjamin Libet. Nach den Vorstellungen der Wissenschaftler sollen sie das Standardmaß eines normalen Menschen repräsentieren. Der Tabelle nach besteht der hauptsächliche Unterschied zwischen einem Menschen, der sich im Zustand des Gewahrsein (Awareness) befindet und einem „Standard-Menschen“ in der Anzahl seiner aktiven Neuronen (40.000 gegenüber 1.000 Neuronen). Diese beiden Zustände kennzeichnen auch unsere Freiheitsgrade. Die optimale Nutzung unseres freien Willens – bzw. die unseres „göttlichen“ Selbst – und das Leben in einer fremdbestimmten (determinierten) Welt.

Der Unterschied wird durch die Intensität unseres Willens bestimmt. Ein starker Wille, der von einer Idee bzw. einem Wunsch geprägt ist, wird uns aus einer determinierten Welt herausheben. Umgekehrt bleiben wir in der vorherbestimmten Welt stecken, und halten alle Ereignisse und Handlungen für unabänderlich. Die untere Grafik gibt uns Aufschluß über die Zusammenhänge zwischen der Intensität unserer Absicht – bzw. unseres Willens, und einer Selbst- oder Fremdbestimmung.

befreiung

Vereinfachte Darstellung über Frei- und Unfreiheit. Die Aufmerksamkeit – bzw. der Grad unserer Bewußtheit ist mit der neuronalen Aktivität korreliert. Je aufmerksamer – also bewußter – umso mehr Neuronen (und Tubulins*) sind aktiv. Im Zustand des Gewahrseins ist diese neuronale Aktivität am höchsten. Hier sind wir es die tatsächlich unseren freien Willen nutzen. Wohingegen wir uns im allgemeinen Tagesbewutsein (wie beispielsweise die meisten Probanden aus den beschriebenen Versuchen) von Programmen bzw. Programmierungen fremdbestimmen lassen. Dieser Grafik nach sind alle geistigen neuronalen Aktivitäten die unterhalb von 40Hz liegen dem Zustand der Unbewußtheit zuzuordnen.

* Mikrotubuli sind aus Tubulindimeren zusammengesetzt und zu Spiralen gebildet. Sie bilden kleine Röhrchen von etwa 24 Nanometern Durchmesser. Nach Roger Penrose und Stuart Hameroff schaltet Anästhesie das Bewußtsein dadurch aus, daß die Bewegung von pi-Elektronen in den Mikrotubuli gehemmt wird. Diese Moleküle von Tubulin können sich in zwei unterschiedlichen Zuständen befinden. Nach R. Penrose und S. Hameroff können Mikrotubuli den Zustand einer Überlagerung (Superposition) von Quantenzuständen einnehmen.

Resümee

Altes und Neues Modell der Hirnfoschung

Das alte Modell: Sämtliche Erhebungen und Schlußfolgerungen basieren auf einem Verstandes-Selbst. Hier wird radikal ein „geistiges Agens“ (was unser natürliches Selbst darstellt) nur deswegen abgelehnt, weil es nicht meßbar ist. In unserem allgemeinen naturwissenschaftlichen Verständnis ist der Begriff „Energie“ nur auf die meßbaren Parameter reduziert. Tatsächlich existieren noch weitere Energieformen, die sich bisher unseren Meßmethoden entziehen konnten. Für die universitär gelehrte Naturwissenschaft gibt es kein ››geistiges Agens« als Energieform. Professor Wolf Singer, ehem. Direktor am Max-Planck-Institut für Hirnforschung, meint: »Wäre es energetisch, dann könnten wir es messen.« Diese gelehrte Grundhaltung erklärt das Thema Geist und Materie auf eine rein mechanistische Art und reduziert Lebewesen zu mechanischen, geist- und seelenlosen Funktions-Maschinen. So basiert das bisherige – „Alte Modell“ – ausschließlich auf der Interpretation der Funktionen und Wirkungen eines „Selbst“, welches sich genetisch evolutionär (materiell) entwickelt hat, und aus Konditionierungen zu einem Ego wurde. So folgt dieses Selbst den Prägungsmustern und wird von ihnen determiniert. Hierzu als Beispiel möchte ich Ausschnitte eines Artikels von Hans-Peter Büttner anführen[vi]:

Das Elend des neurobiologischen Determinismus

Wer glaubt, seine Entscheidungen selber zu treffen unterliegt nur der Täuschung, seine Entscheidung sei durch seinen freien Willen zustande gekommen. Vor jedem bewußten Wollen und Tun hat das Gehirn als durch seine neuronale Struktur determiniertes Zentrum dem Ich (als evolutionär erworbener „Illusion“) bereits den Handlungsbefehl geliefert.

Wie in diesen Zeilen besonders zu erkennen ist, wird hier grundsätzlich immer von der Instanz des sogenannten Egos – des künstlichen Selbst – ausgegangen. Wenn hier also von seine Entscheidung“, und „seinen freien Willen“ zu lesen ist, beschränken sich diese persönlichen Zuordnungen immer auf dieses „Selbst“. Der Autor dieser Aussagen geht selber von einer neuronalen Struktur, dem „determiniertes Zentrum dem Ich“ aus, wobei dieses „Ich“ jedoch eine „Illusion“ sei.

Und in diesem Sinne sind diese weiteren Aussagen auch zu verstehen:

„Das Ich kann dann bestenfalls noch Gründe anführen, weshalb die strukturell determinierte Entscheidung des Gehirns auch seine eigene ist bzw. in der „freien“ Tätigkeit des sich nicht materiell gebunden fühlenden Ichs wurzelt.“

Professor Wolfgang Singer rundet das Thema noch ab, indem er sagt: „Das Ich ist aber bereits „festgelegt durch Verschaltungen“, und weiter „Verschaltungen legen uns fest: Wir sollten aufhören von Freiheit zu reden.[vii]. Eine Verschaltung entspricht einer neurologischen Hardware (Erfahrungen werden als Prägungsmuster durch entsprechende neuronale Verbindungen zugeordnet).

Das neue Modell beschreibt den geistigen Menschen – das geistige, „göttliche“ Selbst. Dieses Universum ist aus geistigen Dimensionen entstanden (wie u.a. B. Heim und J.E. Charon es herleiten und worauf auch Max Planck immer wieder hingewiesen hat: “…denn die Materie bestünde ohne den Geist überhaupt nicht.”) So ist es eben dieser Geist, der uns im Wesenskern ausmacht. Bisher war es den Geisteswissenschaftlern und Religionen überlassen, diese Wahrheit als Glaubhaft darzustellen. Die Naturwissenschaft hat mit dem Geist in erster Linie deswegen ein Problem, weil sie ihn nicht messen, bzw. nachweisen kann. Die Grundhaltung der Naturwissenschaftler ist in folgenden Satz zusammengefasst: „Es gibt kein geistiges Agens, denn wenn es ein geistiges Agens geben würde, könnte man es messen“.

Die Erlösung aus dieser seelenlosen Wissenschaft liegt uns schon lange vor. Physiker wie Burkhard Heim und J. E. Charon haben uns bereits vor über 30 Jahren ein Modell hierfür angeboten. Dieses Modell weist ein geistiges Agens als Schöpfer der materiellen Welt aus. Dieses geistige Agens mag zwar noch nicht meßbar sein, so entspricht es unserem wahren Selbst. Dieses natürliche Selbst wurde zwar von seinem künstlichen Zwillings-Selbst überlagert, ist jedoch immer noch existent. Und wird es auch immer bleiben.

Me Agape

Dieter Broers

 

Ein Resümee meines Artikels könnte etwa lauten:

Mein Verstand argumentiert: „Du kannst nicht verstehen, wer oder was du wirklich bist, deswegen bewahre ich Dich vor der erfolglosen Suche nach Dir.” Der Verstand kann jedoch nicht wissen: Nicht er ist erleuchtet, sondern Du!

Me Agape

Dieter Broers

 

Literatur

  • Beckermann, Ansgar. 2005. “Neuronale Determiniertheit und Freiheit”. In: Willensfreiheit als interdisziplinäres Problem. Hrsg. v. Kristian Köchy & Dirk Stederoth. Freiburg i.Br.: Karl Alber.
  • Goschke, Thomas. 2003. “Voluntary Action and Cognitive Control from a Cognitive Neuroscience Perspective.” In: Voluntary Action: Brains, Minds and Sociality. Hrsg. v. S. Maasen, W. Prinz und G. Roth. Oxford: Oxford University Press, 49-85.
  • Goschke, Thomas. 2004. “Vom freien Willen zur Selbstdetermination.” Psychologische Rundschau 55 (4), 186-197.
  • Green, Joseph B., Peter A. St. Arnold, Leonid Rozhkov, Darren M. Stroher und Nancy Garrot. 2003. “Bereitschaft (readiness potential) and Supplemental Motor Area Interaction in Movement Generation: Spinal Cord Injury and Normal Subjects.” Journal of Rehabilitation Research and Development 40 (3), 225-234.
  • Haggard, Patrick und Martin Eimer. 1999. “On the Relation Between Brain Potentials and the Awareness of Voluntary Movements.” Experimental Brain Research 126, 128-133.
  • Herrmann, Christoph S., Michael Pauen, Byoung Kyong Min, Niko A. Busch und Jochem Rieger. In Vorbereitung. “Analysis of a choice-reaction task yields a new interpretation of Libet’s experiments.”
  • Keller, I. und H. Heckhausen. 1990. “Readiness Potentials Preceding Spontaneous Motor Acts: Voluntary vs. Involuntary Control.” Electroencephalography and Clinical Neurophysiology 76, 351-361.
  • Libet, Benjamin. 1985. “Unconscious Cerebral Initiative and the Role of Conscious Will in Voluntary Action.” The Behavioral and Brain Sciences VIII, 529-539.
  • Libet, Benjamin, Curtis A. Gleason, Elwood W. Wright und Dennis K. Pearl. 1983. “Time of Conscious Intention to Act in Relation to Onset of Cerebral Activities (Readiness-Potential): The Unconscious Initiation of a Freely Voluntary Act.” Brain 106, 623-642.
  • Miller, Jeff und Judy Arnel Trevena. 2002. “Cortical Movement Preparation and Conscious Decisions: Averaging Artifacts and Timing Biases.” Consciousness and Cognition 11, 308-313.
  • Pauen, Michael. 2004. Illusion Freiheit? Mögliche und unmögliche Konsequenzen der Hirnforschung. Frankfurt a.M.: S. Fischer.
  • Prinz, Wolfgang. 1996. “Freiheit oder Wissenschaft.” In: Freiheit des Entscheidens und Handelns. Ein Problem der nomologischen Psychologie. Hrsg. v. M. v. Cranach und K. Foppa. Heidelberg: Asanger, 86-103.
  • Trevena, Judy Arnel und Jeff Miller. 2002. “Cortical Movement Preparation before and after a Conscious Decision to Move.” Consciousness and Cognition 11, 162-190.
  • Walter, Henrik. 1998. Neurophilosophie der Willensfreiheit. Von libertarischen Illusionen zum Konzept natürlicher Autonomie. Paderborn: Schöningh.

 

Quellen:

[i] Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth ist einer der bekanntesten europäischen Neurobiologen. Der promovierte Philosoph und Zoologe lehrt als Professor für Verhaltensphysiologie an der Universität Bremen; seit 1989 ist er Direktor am dortigen Institut für Hirnforschung.

[ii] http://www.neuro-spirituality.com/freier_wille.html

[iii] http://www.spektrum.de/alias/r-hauptkategorie/hirngespinst-willensfreiheit/968930

[iv] http://www.zeit.de/2008/17/Freier-Wille

[v] Benjamin Libet: Unconscious cerebral initiative and the role of conscious will in voluntary action. In: The Behavioral and Brain Science, 8, 1985, S. 529-566.

[vi] http://www.trend.infopartisan.net/trd0207/t140207.html

[vii] Überschrift eines FAZ-Artikels vom 8. Januar 2004

Quelle: http://revealthetruth.net/2015/05/25/leben-oder-gelebt-werden-ist-wirklich-alles-in-unserem-leben-vorherbestimmt/

weiterführende Linkempfehlungen:
http://dieter-broers.de/ideen-der-stoff-aus-dem-universen-entstehen-warum-unsere-ueberzeugungen-unsere-wirklichkeit-gestalten/

http://losloesung.wordpress.de/2014/12/03/wir-sind-gefangen-in-einer-scheinwelt/ (inkl. sehr empfehlenswerte Kommentare für den DURCHBLICK)

http://losloesung.wordpress.de/2014/11/24/die-aufloesung-der-kuenstlich-ersonnenen-gesellschaft/

https://losloesung.wordpress.com/2015/02/13/der-dreierschritt-der-fremdbestimmung/